Wünsche und Ungereimtes zum Muttertag

Blumen und Pralinen brachten die Begründerin des Muttertags ins Sanatorium. Die Intention des Ursprungs wird in den Socials jedoch wieder lebendig.

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Mein Herz kennt keinen Muttertag,
es liebt dich nicht nur heut.
Doch schenk ich gern das Sträußchen Dir,
weiß ja, dass es Dich freut.
(Anita Menger)

idowapro wünscht allen Müttern alles Gute zum Muttertag, sei es den Müttern aus den eigenen Reihen, den Müttern von unseren Mitarbeitern, den Müttern, die nicht mehr in den eigenen Reihen verweilen, sowie allen, die sich freuen, wenn sie angesprochen werden!

Der Zusammenhang von Muttertag und Content

Manche Mütter freuen sich sehr über Blumen, Pralinen und wenn Enkel, Nichten und Neffen noch Gedichte aufsagen - immer, nur nicht am Muttertag. Meine Mutter gehört dazu. Was dahinter steht, ist sicherlich das, was im Eingangsgedicht angesprochen wird: Das Gedenken an und Bedanken für all das, was Mütter für uns getan haben, wieder ein Bewusstsein dafür entwickeln, was übers Jahr hin als fast schon selbstverständlich angenommen wird - allerdings termingebunden, fast schon terminlich eingefordert. Ein Tag, an dem sie keine Hausarbeiten machen muss. Das kann sie ja am nächsten Tag nachholen. Ein Tag auf das Dankeskonto einzahlen und das restliche Jahr über darauf verweisen. Eingeforderter Dank und Zuneigung ist allerdings wertlos.

Um einen thematischen Verweis auf eine Internetagentur zu bemühen: Das ist, als würde ein Content Manager in einem Text sehr viel mit Fettdruck arbeiten. Der Haupteffekt dabei ist, dass der Text um den Fettdruck herum für den Leser/User nahezu unsichtbar wird. Verständlich, dass dagegen manche Mütter etwas einzuwenden haben. Also: weniger Fettdruck.

Ein anderer fader Nachgeschmack liegt in der Meinung, der Muttertag sei in den 1930er Jahren institutionalisiert worden, wohl wegen Förderung von männlichem Nachwuchs, so als nationale Verpflichtung. Was sich wohl Mädchen dabei denken. Oder Mütter von Mädchen.

Ursprung und Intention des Muttertags

Mit dem Ursprung des Muttertages werden ganz andere Frauen in Verbindung gebracht, die sich nach ihrer Initiative später selbst gegen die Auswüchse des Muttertages gewehrt hatten: die amerikanischen Aktivistinnen Anna Marie Jarvis, die 1887 den ersten offiziellen Muttertag in Henderson, Kentucky, abgehalten hat, ihre Freundin Julia Ward Howe und ihre Mutter, Ann Reeves Jarvis.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg um 1870 herum ging es ihnen darum, dass Mütter ein Recht haben und eine Möglichkeit bekommen, in der männlich geprägten Öffentlichkeit aktiv werden zu können, so die amerikanische Geschichtsprofessorin Ruth Rosen. Damals wären die Mütter durch die heutige Werbung für das ideale Muttertagsgeschenk ziemlich irritiert gewesen. Sie bekamen einen Feiertag, um Zeit zu haben, nicht um von ihrer Familie zum Essen eingeladen zu werden, sondern auf die Straße gehen zu können. Und erst recht nicht darum, ihre Söhne in andere Länder zu schicken, damit sie dort das verlernen, zu was sie ihre Mutter eigentlich erzogen hat: Andere Söhne und Menschen nicht als Feinde wahrzunehmen, sondern überall wohltätig, barmherzig und langmütig zu sein.

Bis zur Jahrhundertwende gingen Mütter vor allem des amerikanischen Mittelstandes auf die Straße und kämpften für eine zivilisiertere Nation, die Sklaverei und Lynchjustiz beendet, für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen, Schutz für Kinder und allgemeine Gesundheitsvorsorge. Immer ein aktuelles Thema. Muttersein wurde mit dem Einsatz für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit in Verbindung gebracht, weniger mit Blumen und Pralinen. Anna Jarvis kämpfte zwar gegen die Gier der Floristen, wurde aber letztlich von einer wiederum florierenden Milliarden-Dollar-Industrie überrannt. Floristen sollen angeblich die Kosten für ihr Seniorenheim übernommen haben. Sie starb ohne Kinder - nicht als Mutter.

Wiederentdeckung des Muttertags in den Sozialen Medien

Heute könnte der Muttertag erneut von Engagement für soziale Nachhaltigkeit und intergenerationeller Gerechtigkeit geprägt sein. Unter dem Twitter Hashtag #Muttertagswunsch lassen sich ganz andere Wünsche ablesen als das, wofür viel Werbung gemacht wird. So geht es tatsächlich um Dinge, die schon vor 140 Jahren im Vordergrund standen:

Die Wahrnehmung und Wertschätzung einer Mutter und Familie in der Öffentlichkeit:

Oder die Unterstützung von Müttern in alternativen Lebensentwürfen:

Mit einem Plädoyer für die Wertschätzung von Kindern:

Erstaunlich, wie der ursprüngliche Muttertagsgedanke in sozialen Netzwerken wieder Einzug erhält und Mütter für Belange eintreten, deren Selbstverständlichkeit nicht (mehr) gegeben ist und allgemeines Interesse sein sollten.

Öffentliches und politisches Engagement schließt jedoch nicht die private Bezeugung von Dankbarkeit aus, wie sie sich auch immer ausdrücken möge. Am Muttertag und den Tagen dazwischen.

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