"Wenn du nichts für ein Produkt zahlst, bist du das Produkt"

Wenn ein Unternehmen kostenfreie Dienste anbietet, möchte es in der Regel etwas von Ihnen haben. Ihre persönlichen Daten sind für Unternehmen sehr wertvoll. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert.

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Währungen werden vermutlich nie aussterben. Zu mächtig ist die Möglichkeit, anhand einer Währung allem und jedem einen Preis zuzuweisen. Damit wird alles auf der Welt vergleichbar - und hat seinen Preis. Die Arten der Währung können sich jedoch verändern. Die dezentrale Währung auf rein digitaler Basis ist auf dem Vormarsch, Stichwort Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Diese sind klar als Währung erkennbar. Was allerdings schon länger als eine weitere Währung im Umlauf ist, sind Ihre Daten. Mit Ihren Daten wird Handel getrieben, ohne dass es unbedingt offensichtlich werden muss. Nun hat abermals das Kammergericht Berlin eine Entscheidung gegen Facebook und zugunsten des Verbrauchers gefällt.

„Diese Anwendung darf Statusmeldungen, Fotos und mehr in deinem Namen posten.“

Auslöser war ein Spiel auf Facebook, das - wie das gesamte Angebot auf Facebook - kostenlos gespielt werden kann. Im November 2012 stimmte der Nutzer beim Spiel “The Ville” mit einem Klick auf “Jetzt spielen” zu, dass seine E-Mail-Adresse, Statusmeldungen und weitere Informationen über den Nutzer an den Betreiber des Spiels weitergeleitet wurden. Wozu die verwendet werden sollten, wurde nicht weiter beschrieben. Bei dem Spiel “Scrabble” war es ähnlich: Der Betreiber darf im Namen des Nutzers posten.

Das Ergebnis ist, dass Statusmeldungen und Fotos im News Feed des Nutzers erscheinen, dass jeder andere Freund/Bekannter denkt, der Nutzer selbst hat das gepostet. Dabei war es ein Spielebetreiber.

Dieser Fall ging vor das Landesgericht in Berlin, welches Facebook diese Praxis untersagte. Facebook verlangt vom Nutzer eine Generaleinwilligung. Das deutsche Datenschutzrecht verlangt dazu, dass dem Nutzer eine freie und informierte Entscheidung möglich sein soll, was hier nicht gegeben war. Die minimale Klausel von Facebook wäre zu unbestimmt, um den Nutzer zu informieren, in welchem Umfang und mit welchem Inhalt die Werbeunternehmen von Facebook auf die Seite des Nutzers etwas posten können. Selbst sexuell anzügliche Inhalte wären nicht ausgeschlossen, so die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Facebook ging 2014 in Berufung. Nun hat am 22.09.2017 das übergeordnete Kammergericht in Berlin die Entscheidung des Landesgerichts bestätigt zugunsten der Verbraucherzentrale. Grund, warum das deutsche Datenschutzgesetz hier gilt, ist der Sitz einer Schwestergesellschaft von Facebook in Hamburg sowie die Inhalte, die sich an deutsche Nutzer richte.

Da das Kammergericht hier eine grundsätzliche Debatte sieht, hat es auch zugelassen, dass Facebook damit zur Revision vor das Bundesgericht ziehen darf. Bis dahin müssen allerdings derartig propagierte Spiele im App-Zentrum von Facebook deaktiviert bleiben.

“Wenn du nichts für ein Produkt zahlst, bist du das Produkt”

Nutzer zahlen kein Geld für die Benutzung von Facebook. Facebook holt sich dafür eine andere Währung: Die Daten, die der Nutzer von sich angibt und wie er mit dem Netzwerk interagiert; was er liket, welchen Standort er direkt oder indirekt übermittelt, welche Bilder er postet, mit wem er verknüpft ist und was er so schreibt. Das Portal Facebook gibt die Daten an das Unternehmen Facebook weiter. Das Unternehmen kann mit den Daten Zielgruppen definieren - erschreckend exakt.

Andere Unternehmen können mit den Marketing-Instrumenten von Facebook und Google bei ihren eigenen Zielgruppen und Kunden Werbung platzieren. Je genauer, umso mehr verdient das Unternehmen Facebook dabei. Im Jahr 2010 waren es 1,89 Mrd. USD weltweit, was Facebook mit Werbung umgesetzt hat, im Jahr 2016 waren es bereits 26,89 Mrd. USD.

Damit sind die eigenen Daten als Währung im Wert extrem gestiegen. Allerdings hat der Nutzer bzw. der Kunde nichts davon. Er benutzt weiterhin kostenfrei das Netzwerk und bekommt immer gezieltere Werbung zugeschaltet. Der Kunde gibt eine weitere Information über sich preis und erhält im Gegenzug personalisierte Werbung, bei der er sich fragen muss, woher Facebook das überhaupt wissen kann.

Für Werbetreibende ist der Facebook Werbemanager neben Google Adwords ein sehr mächtiges Werkzeug, mit dem äußerst diffizile Kampagnen gestartet werden können - die Analyse wird gleich mitgeliefert. Je gezielter ein Unternehmer die Werbung schalten kann, desto effizienter wird seine Strategie, der Umsatz steigt, es fließt mehr Geld in die jeweiligen Werbemanager und Facebook wie Google verdienen.

Wir bei idowapro beraten ebenfalls unsere Kunden über die Möglichkeiten der gewerblichen Google-Suche wie Adwords, den Analysemöglichkeiten von Google Analytics, Google MyBusiness, Fan-Pages und Werbetools bei Facebook sowie die Möglichkeiten bei Twitter und Instagram. Möglichkeiten, über einen Unternehmensblog Kunden zu erreichen, kennen wir selbstverständlich auch. Auch das sind kostenfreie Produkte. Wie können wir eine Beratung anbieten zu Produkten, die wegen ihrer datenschutzrechtlichen Basis teils vor Gericht landen?

Der rechte Umgang mit Daten, Marketing und Datenschutz

Es ist unumstritten, dass personalisierte Werbung in Zukunft stark vertreten sein wird. Das große Werbeplakat am Straßenrand, das versucht, die Bedürfnisse von Jugendlichen, Senioren, Angestellten und Selbstständigen gleichermaßen zu erreichen, ist im Rückgang. Es wäre fast schon ein Versäumnis, wenn sich ein Unternehmer nicht die neuen Möglichkeiten der Umsatzsteigerung zunutze machen würde, die in Zukunft geboten sind.

Das will sorgfältig geplant sein, besonders im Umgang mit den Datenkraken, mit Kundendaten und den eigenen Daten. Nicht alles ist sinnvoll und erlaubt. Die Möglichkeiten erweitern sich permanent, die Werkzeuge für Werbemaßnahmen werden umfangreicher und komplizierter, der Gesetzgeber muss sich permanent mit den Grenzen des Möglichen und Erlaubten auseinandersetzen.

Hier lohnt es sich, am Ball zu bleiben, die Möglichkeiten und Sicherheitsrisiken zu erkennen und sich über einen verantwortlichen Umgang mit Facebook & Co. beraten zu lassen. Vielleicht gibt es auch noch Alternativen.

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Teaserbild Stadt bei Nacht: © cduschinger