Weltfrieden am Schreibtisch — Konfliktlösung im Büro

Am 21. September findet durch einen Beschluss der Vereinten Nationen regelmäßig seit 2001 der Internationale Tag des Friedens statt. Der Tag soll dazu dienen, dass an diesem Tag alle Waffen bedingungslos ruhen und sich nicht nur Regierungen, sondern auch Organisationen und Bürger daran beteiligen. Das fängt im Kleinen an. Im Büro.

Weltfrieden am Schreibtisch — Konfliktlösung im Büro
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Was Sie erfahren:

  • Was Schönheitsköniginnen mit Geschirrspülern gemein haben
  • Dass Konflikte ein gutes Zeichen für ein Unternehmen sein können
  • Dass die Vermeidung bestimmter Wörter ganze Gehirne umprogrammieren kann
  • Und dass der Weltfrieden von dem Wegräumen der Kaffeetasse gar nicht so weit entfernt ist

Von Toastern, Weltfrieden und Schönheitsköniginnen

Weltfrieden — ein Begriff, der vorrangig mit blonden Schönheitsköniginnen in Verbindung gebracht wird, die es mit ihrer Intelligenz mit einem defekten Toaster aufnehmen könnten.

Wenn er wörtlich genommen wird, löst er ebenfalls Abneigungen aus, da er zu stark an uneinlösbare Utopien erinnert, die von älteren Leuten proklamiert werden, die auf der Straße Zeitschriften von zweifelhaften Organisationen verkaufen. Und Weltfrieden ist ein Tag im Kalender.

Prinzipiell will jeder Frieden. Sofern der Nachbar einen lässt. Und das beginnt schon im Kleinen. Am Arbeitsplatz. Ebenfalls ein Teil der Resolution der UN ist es, darüber nachzudenken, mit welchen Maßnahmen ein friedvollerer Zustand erreicht werden könnte. Früher oder später treten in einem Büro und in einer Agentur Konflikte auf, und sei es nur wegen dem Geschirrspüler oder der Kaffeemaschine. Hier wollen wir zeigen, dass damit ein überlegter und professioneller Umgang möglich ist. Auch hier helfen kreative Lösungen.

Konflikte bringen die Firma weiter

Ohne Konflikte gibt es meist keinen Grund, sich etwas einfallen zu lassen. Konflikte würden ohne ein gewisses Maß an Engagement der Mitarbeiter vermutlich auch nicht existieren. Es werden Meinungen vertreten, die das Altbewährte nicht aufgeben wollen, und solche, die progressiv Neues anstreben. Konflikte sind ebenfalls ein Zeichen dafür, dass unterschiedliche Perspektiven eingenommen und beachtet werden. Werden sie angesprochen, fühlen sich auch die Mitarbeiter wahrgenommen und respektiert. So kommen sie in die Mitverantwortung für das Projekt.

So viele Perspektiven es geben mag, am Ende sollte ein gemeinsamer Weg entstehen, der vor den Diskussionen so vermutlich noch nicht existierte. Das ist Kreativität, der Ursprung von etwas Neuem. Die Mitarbeiter bekommen die Perspektiven von anderen klar und deutlich mit und müssen nicht befürchten, dass hinter ihrem Rücken geredet wird.

Die Ursachenforschung von Konflikten ist ein Hinweis auf Verbesserungsmöglichkeiten im Unternehmen. Kriselt es, weil unter den Mitarbeitern kein Informationsfluss stattfindet, kann eben dies optimiert werden. Das kann nur funktionieren, wenn Konflikte angesprochen werden. Ist das der Fall, ist ein erster Schritt bereits geschafft. Dazu brauchen Sie keine 600 Seiten Organisationspsychologie lesen, wie es etwa bei unserem gleichnamigen Literaturtipp von Ansfried B. Weinert (Weinheim, 6 2015) der Fall ist.

Konfliktmanagement am Arbeitsplatz

Um ein gemeinsames Projekt erfolgreich abzuschließen, arbeiten mehrere Kollegen zusammen. Jeder ein Experte seines Faches. Manchmal auch mehr Experten, als der runde Tisch oder der GitHub vertragen kann. Es kommt zu Spannungssituationen. Die Karrierebibel kategorisiert in Beziehungskonflikte, Kommunikationskonflitke, Rollenkonflikte, Sachkonflikte, Wertkonflikte, Machtkonflikte und Verteilungskonflikte. Zusammengefasst: Man versteht sich einfach nicht. In bestimmten Aspekten.

Die Jobplattform Monster rät zu einem selbstbewussten Umgang mit Konflikten. Werden Konflikte erst einmal angesprochen, wird sich etwas verändern, ob Sie wollen oder nicht. Diese Situation kann genutzt werden, für sich selbst etwas Positives zu verändern. Das Einlenken in eine konstruktive Kompromisssituation ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von gutem Willen und Reife.

Jeder sollte sich fragen: Unter welchen Bedingungen würde ich meine Meinung ändern? Wenn jeder darauf etwas sagen kann, ist schon viel erreicht. Das setzt voraus, dass ich erstens überlegt rede und zweitens aufmerksam zuhören kann. Wie würde ich aus der Perspektive des anderen handeln? Je konkreter die Situation benannt wird, umso besser. Wörter, die es zu vermeiden gilt:

  • immer, nie (trifft so gut wie “nie” vollumfänglich zu — besser konkrete Situation benennen),
  • müssen (nur eins ist sicher und muss sein: der Tod und die Steuer — besser dürfen, wollen),
  • aber (Ich hab ja nix gegen…, aber… — es gibt schlimme Beispiele),
  • ehrlich gesagt (und der Rest Ihrer Worte? — streichen),
  • absolut (nur eins ist absolut, darüber handeln Religionen, klingt selbstüberschätzend),
  • wirklich (was wirklich und nicht wirklich ist, ist eine Frage an die Philosophen und keine vorschnelle Einschätzung von Kontrahenten, klingt selbstüberschätzend),
  • Dinge (wissen Sie, von was Sie reden? — konkret bleiben).

Meistens gibt es mehr als eine Perspektive. Es gibt objektive und subjektive Anteile. Auch bei Kunst und Design. Gerade in einer sich schnell entwickelnden Branche wie IT und Design wird ein Mitarbeiter ohne die Offenheit auf Anderes und Neues nicht weit kommen. Auch Sprache entwickelt sich, die Art, wie Leser lesen und Blogger bloggen. Bei aller Veränderung stoßen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Damit ist ein professioneller Umgang möglich.

Frieden steckt in Zufriedenheit

Frieden bedeutet also nicht Konfliktfreiheit. Unzufriedenheit hat etwas mit dem Unterschied zwischen Erwartungshaltung und Realität zu tun. An beiden Schrauben kann man etwas drehen.

Jedoch müssen nicht künstlich Konflikte provoziert werden in der Hoffnung, dass es Frieden stiftet. Die kleinen Gesten des Alltags lassen das Rattern im Gehirn und Mutmaßen über das Verhalten der Kollegen schon im Keim ersticken. Ein, zwei Zeilen Kommentar bei den Alltagsprozessen schreiben, die über das Mindestmaß hinausgehen, ein wenig Mitdenken mit und für den anderen, über die Fehlbarkeiten des Kollegen des Grauens nicht die eigenen aus dem Blick verlieren oder abseits des Küchenplans eine Tasse in den Schrank oder in die Spülmaschine räumen. Oder etwas wegwerfen, was man selbst nicht liegen gelassen hat. Das kleine Etwas, das über dem liegt, was gefordert ist, lässt andere aufhorchen.

Natürlich lassen sich ernste Konflikte, unter denen nicht nur die Parteien, sondern das ganze Büro zu leiden hat, nicht mit Kaffeetassen verharmlosen. Im Ernstfall hilft ein professioneller Mediator oder zuletzt die Trennung der Parteien.

Vielleicht ist der reife Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven, Zielen und Handlungen das, was sich die Schönheitsköniginnen unter dem Weltfrieden vorstellen und wünschen. Dann hätten sie dem Toaster auch etwas voraus.

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