Mit 15 Schönheiten auf einer Yacht: Erfahrungen eines Fotografen

München sucht die Schöne Münchnerin 2017 und der Fotograf Minh-Tuan Truong ebenfalls - allerdings nur durch seine Objektive.

Es ist wieder soweit, und München - genauer gesagt, die Abendzeitung - sucht die Schöne Münchnerin 2017. Die AZ macht das schon seit knapp 70 Jahren. Wieder genauer: seit 1948, und damit drei Jahre vor den sicherlich bekannteren Modelcontests der Miss World und Miss Universe. Ganz zu schweigen von den aktuellen Casting Shows.

Möglicherweise haben sich seit Mitte der 40er Jahre die Schönheitsideale etwas verändert (Mindestkörpergröße für eine Bewerbung beträgt nun 1,71 Meter), die Hauptpreise für den Titel auf jeden Fall: ein Opel Adam und ein Modelvertrag mit Louisa Models.

Um diesen Titel Schöne Münchnerin 2017 wetteifern 15 Kandidatinnen, dieses Jahr auf einem Shooting-Trip auf und vor den schönsten Locations Kroatiens. Die Bewerbungen auf den Titel sind jedoch noch offen. Vier Tage lang stellten sie sich den kreativen Settings der zwei Fotografenteams um Minh-Tuan Truong von Tuan Photography und Philip Reichwein von EIN.ECHTER.REICHWEIN sowie der Crew der Abendzeitung unter der Leitung der AZ-Digital-Geschäftsführerin Sandra Saller und den Stylisten. Lena Gertzen berichtete mehrmals täglich vor Ort auf einem Logbook. Wir konnten im Nachgang den Fotografen Tuan nach seinen Eindrücken befragen, wie er die Shootings durch sein professionelles Auge wahrgenommen hatte und was aufgebrochene Zimmer, Treppenstürze, im Meer versenkte Schlüssel und verlorene Personen mit professionellem Modelbusiness verbindet.

Der Fotograf Tuan

Tuan, wie der Name nun nicht ganz direkt vermuten lässt, ist gebürtiger Dingolfinger: “Seit einem Jahr lebe ich nun in Landshut, aber arbeite schon seit fast zwölf Jahren in der Mediengruppe der Landshuter Zeitung/Straubinger Tagblatt. Dort habe ich auch meine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. Nach der Ausbildung ging es in die Online-Abteilung des Verlags zu idowapro, wo ich nach wie vor Mediengestalter und seit zwei Jahren Fotograf bin. Zu meiner hauptberuflichen Arbeit habe ich mir seit letztem Jahr ein zweites Standbein mit Tuan Photography aufgebaut und fotografiere Automobile, Hochzeiten, Menschen, uvm.”

Er fotografiert mit einer Fujifilm X-T2, wobei es darauf nicht ankommt, sondern auf das Talent, und “wie der Fotograf seine Motive in die passende Perspektive perfekt in Szene setzt. Daran erkennt man die Kreativität eines Fotografen. Aber auch der eigene Bildstil ist sehr wichtig, also ein gewisser Wiedererkennungswert.”

Tuan Photography - Tuan

Automobile und die Schöne Münchnerin - beides Objekte der Begierde

Als Laie ist es nicht gerade eingängig, wie anhand von einerseits chromverzierten getunten Edelkarossen und lebenden “Objekten” andererseits eine gemeinsame Bildsprache entwickelt werden kann. Seine Entwicklung von schnittigen Autos zu schnittigen Münchnerinnen beschreibt Tuan relativ nüchtern: “Schnittige Autos fotografiere ich schon immer, wahrscheinlich durch meine Leidenschaft zu schönen Autos und dem Tuning. Irgendwann kamen Hochzeiten dazu und mittlerweile auch die People-Fotografie. Dadurch wurde die Abendzeitung auf mich aufmerksam und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, die Top15-Teilnehmerinnen des Contests "Die Schöne Münchnerin" in Kroatien abzulichten. Bei so einer Chance habe ich natürlich sofort zugesagt.”

Die People-Fotografie hat dabei ihre ganz eigenen Herausforderungen: “Gerade bei Menschen ist es entscheidend, auf jedes kleine Detail zu achten, denn hier ist ein Zusammenspiel von Gestik, Mimik und Ausstrahlung unheimlich wichtig.”

Das klingt sehr anspruchsvoll und idealistisch, was angesichts der Bedingungen der Shootings dennoch gar nicht mehr so unrealistisch anmutet. Für Tuan zählten zu den Highlights der Reise nach Kroatien “zum einen die traumhaften Locations – Plitvicer Seen, Hafenstadt Zadar und wunderschöne Hotels in Opatija; und zum anderen die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team der Abendzeitung, den Stylisten und dem Team um Philip Reichwein.”

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Von Stolperfallen und Teamspirit

Wenn da nur nicht die Sache mit dem Fazit in Zahlen, das Lena Gertzen in ihrem Logbook resümierte, wäre, worunter die besagten Treppenstürze, versenkte Zimmerschlüssel und verloren gegangene Personen fielen. Aus erster Hand berichtet Tuan: “Da unsere Unterkunft eine Yacht war, gab es da natürlich viele Stolperfallen. Das mit dem versenkten Zimmerschlüssel habe ich gar nicht mitbekommen. Das mit der verlorenen Person war ein sehr lustiger Moment. [lacht] Wir stiegen nach einer Sightseeing-Tour wieder in den Bus, die Models waren vollzählig, also fuhren wir los. In der Ferne sahen wir dann eine Person auf uns zu laufen, es war die Videografin der Abendzeitung. Wir hielten natürlich sofort an, sie stieg ein und wir fuhren mit ihr und großem Gelächter wieder los.”

Im harten Modelbusiness und dem Rivalismus unter Kandidatinnen könnte sich der Verdacht aufdrängen, dass die “Stolperfallen” nicht nur rein zufällig gewesen wären und sich der Konkurrenzkampf um den Titel der Schönen Münchnerin 2017 vor der Kamera auch hinter der Kamera abspielte. Doch weit gefehlt, ganz im Gegenteil: “Nein, ich konnte keinen großen Konkurrenzkampf spüren. Die Mädels waren sehr kollegial zueinander und man konnte den Teamspirit spüren.”

Diesen Spirit atmete Tuan auch in der Zusammenarbeit mit seinem Fotografenkollegen Philip Reichwein ein. Das Teamwork war “sehr lustig und spannend zugleich. Er hat unglaublich viel Energie, Ideen und Kreativität. Es hat wirklich Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten.”

Die Interaktion mit den Models brachten zweierlei Herausforderungen: Einerseits sind eher unerfahrene Models dankbar um eine professionelle Heranführung durch den Fotografen in die jeweilige Situation, andererseits wurde der Fotograf auch mit von der Leine gelassenen Emotionen konfrontiert, die ihm von der Automobile-Fotografie so noch nicht untergekommen sein dürften: “Bei einem Shootingtag war die Vorgabe an die Models, dass sie ihren Emotionen freien Lauf lassen sollen. Da gab es ‘Streit’, ‘Trauer’, ‘Liebe’ und ‘Freude’. Da haben die Models wirklich Gas gegeben und sich voll in die Szene versetzt.”

Wer wirds?

Nach vier Tagen intensiver Zusammenarbeit und einem geschulten Auge könnte schon eine erste Hochrechnung angestrebt werden, wer nun im September gute Chancen auf den Titel hat. Dennoch ist es nicht einfach zu sagen, woran man nun die Schöne Münchnerin 2017 erkennt: “Also am Dialekt ganz bestimmt nicht, da nur eine Teilnehmerin bayerisch gesprochen hat [lacht]. Es waren wunderschöne Teilnehmerinnen, jedes Mädel kann die schönste Münchnerin werden. Ich wünsche allen Mädels nur das Beste. Sie sollen unbedingt weitermachen, denn in einigen Kandidatinnen steckt viel Potenzial. Ich hoffe, dass sich irgendwann was ergibt, wir uns wieder sehen und vielleicht sogar wieder zusammen shooten”

Auf die Frage aus einem früheren Interview, wie Tuan die AZ-Schlagzeile “Endlich: Darauf hat die Welt gewartet!” bebildern würde, antwortete er: “Mit einem Selfie – von mir und der Schönen Münchnerin 2017!” Darauf muss Tuan allerdings noch etwas warten, die Siegerin des Contests wird erst am 8. September 2017 im Deutschen Theater ermittelt. Dort winkt ihr der heimliche Hauptpreis - das Selfie mit dem Fotografen Tuan.

Das Interview mit Tuan führte Hannes Bräutigam, Landshut 3.5.2017