Menschenrechte statt Sonderrechte: Der Weltfrauentag 2018

Der Weltfrauentag ist der 8. März. Frauen treten in Deutschland seit 1911 für ihre Rechte ein und gehen dafür auf die Straße. Nicht wegen Rabatte für Kosmetikartikel oder wegen Blumen als Termingeschenke.

Weltfrauentag 2018
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Was Frauen wollen am Weltfrauentag

Was Frauen wollen…, das ist eine Frage, die sich ein Mann stellt, wenn er einen Beitrag über den Internationalen Frauentag schreiben soll. Seit seiner Einführung zu Zeiten des Ersten Weltkriegs wird er auch Weltfrauentag oder Frauenkampftag genannt. Was Frauen wollen, ist ein heiliges Geheimnis, zumindest wenn man dem Film P.S. Ich liebe dich folgt. Kurze Momente später verrät Hilary Swank leicht angetrunken dieses heilige Geheimnis: „Wir haben absolut keine Ahnung, was wir wollen!“

Nun gut, wenn es die Frauen nicht wissen, können wir wieder die Männer befragen. Der Vertreter der provokativen Psychotherapie und Kabarettist Bernhard Ludwig erspart mit seiner Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit nach eigenen Angaben bis zu 10 Sexualtherapiestunden. Er beantwortet darin die Frage, was Frauen wollen, wie folgt: „More.“ Sie wollen einfach nur mehr. Egal von was. Auch das hilft nicht wirklich weiter. Aber das will der Weltfrauentag auch gar nicht bezwecken.

Es geht weniger um Rabatte bei Kosmetikartikeln, Parfüms oder Schuhen, um Geschenke, lustige Reden, Gedichte, Blumen und Gratulationen.

Was ist der Weltfrauentag?

Eines ist sicher, was Frauen wollen: die gleichen Rechte. Das bedeutet, dass kein Mensch allein aufgrund seines Geschlechtes benachteiligt werden darf. Und das fängt nicht nur beim Autofahren oder Wählen an und hört beim Geldverdienen auf. Das fängt schon bei dem heimlichen Bedürfnis an, das weibliche Geschlecht zu vergegenständlichen. Das bedeutet, eine Frau wäre „etwas“, das besessen werden kann, das kontrolliert werden kann. Ein Ring am Finger als Hinweis für den Besitz. Und wie es mit Gegenständen so ist, was man einmal hat, das wird weniger wert und landet irgendwann mal in der Ecke, wird nicht weiter gepflegt, wird vielleicht einmal ersetzt. Im Bezug auf eine zwischenmenschliche Beziehung ist das fatal.

Damit sich das nicht auf eine gesellschaftliche und ökonomische Ebene fortpflanzt, gehen Frauen auf die Straße. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin formulierte es auf einem Kongress in Kopenhagen 1910: „Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte.“ Zu dieser Zeit durften Frauen in Europa nur in Finnland wählen. Ein Jahr später entstand der Weltfrauentag. In Deutschland gilt das Frauenwahlrecht seit 1918:

In der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Weltfrauentag verboten und durch den Muttertag ersetzt. Auch hier wurde eine „biologische Verpflichtung“ der Frau eingeführt – ein bitterer Versuch, selbst über den Körper einer Frau die Kontrolle zu bekommen. Leider ist das nicht nur eine Phase in den 1930er Jahren. Manche Diskussionen um Geburtenkontrolle und Abtreibungsregelungen haben ähnliche Tendenzen: Über den Körper der Frau bestimmen zu wollen. Zum Muttertag haben wir bereits geschrieben. Es geht nicht um Gleichmachen, sondern um gleiche Rechte, etwas Grundgesetzliches.

Der Löffel ist männlich und die Gabel ist weiblich

Auch geht es nicht um gleichgeschlechtliche Grammatik:

Sprachgeschichtlich und auch neurologisch hat das grammatische Geschlecht nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun. Das Sprachzentrum kennt keine biologischen Unterschiede. Der Gendersprech ist von der Sprachwissenschaft ausführlich untersucht – und in der Luft zerrissen worden. Gendersprech bewirkt genau das Gegenteil: Durch eine Gleichmacherei in der Grammatik wird der Eindruck erweckt, Männer und Frauen wären genauso gleich behandelt. Schauen wir in die Runde, ist das keineswegs der Fall. Durch Gendersprech wird über Ungleichheiten hinweggetäuscht, die allerdings faktisch bestehen. Daher bringt das nix. Wer etwas anderes behauptet, erklärt bitte, warum der Löffel männlich und die Gabel weiblich sind.

An einer Uni in Leipzig wurde darüber diskutiert, ob die Schrägstrichvariante Professor/Professorin nicht vereinfacht werden könnte. Ein männlicher Kollege, der Diskussion etwas überdrüssig, machte den spontanen Vorschlag, nur die weibliche Form zu verwenden. Folgerichtig wäre ein männlicher Professor damit ein Herr Professorin. Früher war dort die Amtsbezeichnung männlich und in einer Fußnote wurde erwähnt, dass damit gleichermaßen Frauen gemeint sind. Jetzt ist es dort umgekehrt.

Weltfrauentag im Büro

Auch im Büroalltag gibt es Gründe, warum Frauen auf die Straße gehen. Ein Mitarbeiter einer amerikanischen Arbeitsagentur tauschte für ein Experiment die E-Mail Signatur mit der seiner Kollegin. Das Resultat: “Es war die Hölle.”

Seine Kollegin hatte die produktivste Woche in ihrer Laufbahn.

Weltfrauentag bei idowapro

Frauen bei uns im Büro dagegen berichten, dass es allein aufgrund ihres Geschlechts keine Probleme im Büro gibt. Zumindest haben mir die Frauen hier gesagt, ich solle das schreiben. Sie verstehen sich als Sprachrohr zum Kunden. Gut, das bedeutet, sie sind auch nicht auf den Mund gefallen. Das Problembewusstsein ist gar nicht da, dass es aufgrund des Geschlechtes Benachteiligungen geben könnte. Das ist vermutlich eine Situation, die nicht in vielen Agenturen auftritt.

In einem nächsten Beitrag könnten ja die Männer von ihrer Büroerfahrung als Mann berichten. Wenn sie allein sind. Und nicht beobachtet werden.

Die Antwort auf die Frage, was Frauen wollen

Nun, damit ist nicht beantwortet, was Frauen wollen. Möglicherweise ist die Frage auch nicht beantwortbar und möglicherweise ist das auch gut so. Das ist eine Möglichkeit, sich einem kontrollierenden und manipulierenden Zugriff durch andere zu entziehen. Ich kann nur manipulieren, wenn ich die dahinterstehenden Mechanismen kenne. Wahre Zuneigung kann damit nur aufgrund eines faszinierenden, aber nicht weiter erklärbaren Gefühls, einer Intuition entstehen, die keine Gründe und Mechanismen zu kennen braucht.

Was die Menschenrechte statt Sonderrechte betrifft, wird der Internationale Frauentag vermutlich und leider noch lange seine Daseinsberechtigung haben.

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