Digitale Bildung und Programmierung gratis, nicht umsonst

Google hat’s mit seiner Zukunftswerkstatt vorgemacht, Apple zieht mit. Und Lego zeigt’s den Kindern.

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Wenn Kinder Roboter programmieren

In zwei Semestern zur App-Programmierung mit der Programmiersprache Swift – und das für den anspruchsvollen App-Shop von Apple. Klingt machbar, doch braucht es dazu Abitur und eine Einschreibung an der Technischen Universität München in das Apple-Curriculum “Lehrplan zur App-Entwicklung mit Swift” am Lehrstuhl für Angewandte Softwaretechnik. Dabei lernen Sie noch praxisnahes Software-Engineering und unternehmerisches Wirtschaftswissen, noch dazu mit BMW und Siemens zusammen. Naja, immerhin ist dieser Kurs mittlerweile in Deutschland und Sie brauchen nicht mehr ins kalifornische Cubertino reisen.

Einfacher geht es, wenn in den Apple-Stores in den deutschen Großstädten übers Jahr verteilt kostenlose Swift-Kurse angeboten werden. Daran können auch Kinder teilnehmen. Auch Lego hat Roboter in der Produktpalette, die Swift verstehen. Und Kinder verstehen damit Swift.

Hintergrund ist die Apple-Teilnahme an der code.org-Initiative “Jeder kann programmieren”, die dem Umstand Rechnung tragen will, dass beispielsweise in Amerika im Jahr 2017 über 480 000 freie Stellen im IT Sektor zu vergeben waren, es leider nur 43 000 eingeschriebene IT Studenten gab.

Die Programmiersprache Swift wurde 2014 einführt und wurde ein Jahr später Open Source, das bedeutet, dass auch Android-Apps oder Desktop Betriebssysteme damit programmiert werden können. Da Kinder gerne spielen, liegt der Fokus auch auf der spielerischen Lernkurve. Mit der App Swift Playground können Sie und Ihre Kinder programmieren lernen, ohne eine Kommandozeile schreiben zu müssen (auch das Smart Home kann damit programmiert werden, die Eltern haften für ihre Kinder). Im Apple-eigenen Bücherladen iBooks gibt es ebenfalls eine Anleitung für die, die lieber lesen statt spielen. Es braucht nicht unbedingt eine BMW-Partnerschaft dazu. Mit der TU München sind es mittlerweile über 70 Universitäten in Europa, die sich daran beteiligen.

Die digitale Garage von Google und freie Online Kurse

Apple ist nicht allein mit dem Ansatz, die ganze Welt solle von ihnen Programmieren lernen. Googles Zukunftswerkstatt vermittelt ebenfalls Inhalte, die mit der gesamten digitalen Welt zu tun haben. Alles, was Sie unter digitaler Transformation oder digitaler Disruption kennen, soll mithilfe ebenfalls kostenfreier Kurse seinen Schrecken verlieren und Ihr Leben und Unternehmen Schritt für Schritt digitalisieren.

In Googles digitaler Garage sollen neue Kompetenzen und neue Chancen entstehen. In Trainings vor Ort (Berlin, Hamburg, München) lernen Sie, wie Sie analysieren, wie Nutzer mit Ihrer Internetseite interagieren, wie Sie als Anfänger programmieren, wie Internetseiten für mobile Geräte optimiert werden, was Online-Kommunikation ausmacht oder was es mit Suchmaschinenoptimierung und bezahlter Werbung auf sich hat. Und ob das alles inklusive Sie selbst sicher ist.

Das Modell, kostenfrei auf Kurse zugreifen zu können, setzt sich durch. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) bietet hunderte Kurse an, die online und gratis gebucht werden können. Weltweit sind von über 100+ Institutionen bereits über 1 600 Kurse online, an denen über 12 Millionen Menschen teilnehmen. Berechtigterweise kann auch hier nach dem Nutzen und Profit gefragt werden – ob das alles so uneigennützig ist. Denn oftmals, wenn es nichts kostet, ist der Kunde das Produkt. Oder es geht wirklich um ein inneres Bedürfnis, um Bildung für alle als Chance für die Welt gegen Hass und Angst, um Informationsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit oder um Nachhaltigkeit. Die Bilanzierung ist jedem Einzelnen überlassen. Was jedoch nötig ist, ist Information darüber, was alles möglich ist, möglich werden wird, und wie wir damit umgehen können und sollen. Derzeit setzt sich die Bildungsmesse Didacta in Hannover damit auseinander.

Die Bildungsmesse Didacta in Hannover: Digitale Kompetenz so wichtig wie Lesen und Schreiben

Experten sagen, gerade deutsche Schulen haben Nachholbedarf in der Digitalisierung. Vielleicht ist es ähnlich wie an der Uni, der TU München: die VORlesung. Der Wissenschaftsbetrieb entstand in einer Zeit, in der sich nicht jeder ein Buch leisten konnte. Es brauchte Leute, die einem Fachbücher vorlasen. Die Vorlesung. Heutzutage kann jeder nachgooglen, ob das richtig ist, was der Lehrer sagt. Dabei weiß der Schüler nun vielleicht gar nicht, was denn nun richtig ist, die Info aus dem Netz oder die Info vom Lehrer. Das wäre eine Kompetenz, die es zu vermitteln gelte. Wann ist etwas wahr, wahrscheinlich, oder doch eher ein Fake? Was kann ich glauben und was besser nicht? An dieser Stelle fängt Digitalisierung in den Köpfen der Schüler an. Digitale Kompetenz wäre genauso wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die technische Ausstattung der Schulräume ist Mittel zum Zweck. Und kann die Schüler im Lernen durchaus beflügeln. Touchscreens wirken attraktiver als Kreidestaub.

Vom 20.-24. Februar 2018 zeigen nun 800 Aussteller, wie sie sich eine digitale Bildung vorstellen. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne sieht die Lernkurve im Bereich von kreativen, analytischen und kommunikativen Fähigkeiten. Es sind Schulclouds und Bildungsclouds im Gespräch, die für einen niedrigschwelligen Zugang zu Unterrichtsmaterialien sorgen sollen. Auch hier sind die sogenannten MINT-Fächer im Blickfeld, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Cloud – im Vergleich zum Informatikunterricht der 90er Jahre ein Quantensprung. Damals war noch Basic eine angesagte Programmiersprache. Für Insider:

10 INPUT "Geben Sie bitte Ihren Namen ein"; A$
20 PRINT "Guten Tag, "; A$
30 INPUT "Wie viele Sterne möchten Sie?"; S
35 S$ = ""
40 FOR I = 1 TO S
50 S$ = S$ + "*"
55 NEXT I
60 PRINT S$

Basic findet sich noch in einzelnen Makro-Anwendungen, konnte sich aber als universale geräte-unabhängige Sprache nicht durchsetzen. Es entwickelten sich sogar verschiedene Dialekte, die noch dazu untereinander nicht kompatibel waren. Das ist so, als würde ein Computer aus der Oberpfalz mit einem Computer aus Niederbayern kommunizieren wollen. Das geht nicht.

Neben diesen MINT-Schwerpunkten machen sich auch Naturwissenschaftler Gedanken, welche Schwerpunkte Kinder und Jugendliche im Zuge ihrer Entwicklung lernen sollten. Diese sind etwas anders gelagert. Gerade Kunst, Musik und Sport sind die Fächer, die dem jungen Gehirn viel Entwicklungsmöglichkeiten bieten, so der Physiker Harald Lesch.

Immerhin können bis dahin Kinder mit einem iPad im Apple-Store lernen, wie ihr Lego-Roboter eine Rolle rückwärts machen kann.

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