Büro: Achtung Narrentreiben!

Fasching im Büro und hoch die Hände. Am Aschermittwoch werden Sie den meisten Kollegen wieder unter die Augen treten.

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Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent, das Neujahr nach dem gregorianischen Kalender am 1. Januar, der islamische Kalender mit dem 1. Muharram, der jüdische beginnt im Herbst, der indische mit der Tag- und Nachtgleiche und der chinesische mit dem zweiten Neumond vor dem Frühlingsanfang. Da soll noch einer den Überblick behalten. Eines bleibt, in Bayern beginnt die fünfte Jahreszeit am 11.11. jeden Jahres.

Was Karneval, Altweiber oder Schmutziger Donnerstag bedeuten

So richtig wahrgenommen wird die jahreszeitliche Veränderung jedoch erst an Altweiberfastnacht um 11:11 Uhr, etwa eine Woche vor dem Beginn der christlichen Fastenzeit am Aschermittwoch. Am Donnerstag vorher wird nochmal so richtig geschlachtet. Daher auch der Name schmutziger oder schmotziger Donnerstag, schwäbisch-alemannisch für fettig. Karneval daher, weil es zum Aschermittwoch wieder heißt: Hände weg vom Fleisch, lateinisch carne levare. Unsinniger oder gumpiger Donnerstag daher, weil gumpig so viel wie Hüpfen bedeutet, Possenreißen: die reine Konzentration von Unsinnigkeiten und Narreteien, so die Brauchtumsbeschreibungen. Altweiber heißt es deswegen, weil am Donnerstag um 11:11 Uhr die Frauen die Herrschaft über die Männer an sich reißen. Also bis zum Aschermittwoch. Beruhigend.

Charakteristisches Merkmal des Karnevals: Grundsatz der Gleichheit

Ein Grundsatz der Faschingsfeierlichkeiten ist bereits 5.000 Jahre vor Christi Geburt in Mesopotamien nachweisbar. Nach Neujahr fand ein 7-tägiges Festmahl als symbolische Hochzeit eines Gottes statt: “Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.”

In Rom tauschten Sklaven und Herren die Rollen, verwelkte Rosenblätter wurden durch die Luft geworfen. Sie waren noch nicht so bunt, rund ausgestanzt und lästig wie das heutige Konfetti.

Untere Kleriker genossen in der Kirche die Privilegien der höheren Geistlichkeit, es gab einen Pseudopapst, Narren- und Eselsmessen. Später wurden Bürgermeister entthront und die Bevölkerung machte sich Luft darüber, was in der Regierung alles schief lief.

Das Büro

Dieses Gleichheitsprinzip greift ebenfalls im Geschlechterkampf um sich. Die Krawatte als Symbol männlich-patriarchalischer Herrschaftsverhältnisse dient dazu, die Rollen umzudrehen. Sie werden von den Damen abgeschnitten, auch der Chef im Büro ist davor nicht gefeit; allerdings nur mit dessen Einwilligung. Der Vorteil neben dem Hämisch-Lachen-Dürfen der Frauen: Das Gehirn des Krawattenträgers bekommt wieder Sauerstoff.

Vorsicht bei all den Rollentausch-Traditionen: Sie sind zeitlich begrenzt, mit dem Mitternachtsläuten am Faschingsdienstag nehmen die Herren wieder ihre unversehrten Krawatten und ihre Bürgermeister-Sessel ein.

Es bleibt bei einer (hoffnungsvollerweise leicht verblassten) Erinnerung, zu welchen Taten und Worten der jeweilige Mitarbeiter denn fähig sein kann, sofern er die Gelegenheit dazu hat. Das kann durchaus Folgen haben, die nicht erwünscht sind.

Tipps fürs Büro

Im digitalen Bereich gibt es zwei elektrische Zustände: 0 und 1, An und Aus. Das ist auch bei manchen Mitarbeitern zu beobachten: Aschermittwoch bis zum Unsinnigen Donnerstag :-(, Unsinniger Donnerstag bis Faschingsdienstag :-). Das ist durchaus eine Herausforderung für alle Beteiligten, daher: Bitte keine Exzesse am Arbeitsplatz, aber Spaß haben. Was macht der Karnevalsclown im Büro? Faxen. Der Knigge empfiehlt, hier in Kurzform:

• Verkleidung gerne, aber keine Anspielungen oder Anzügliches bzw. Auszügliches.
• Witze gerne, nur ebenfalls ohne Anspielungen auf bekannte Personen.
• Einen schönen Karneval mit “Alaaf” wünschen, gerne, aber Vorsicht: nur bei Kölnern. Bei Düsseldorfern heißt das “Helau”. Eselsbrücke: “Kölle Alaaf” ist auch erlaubt.
• Am Aschermittwoch krank sein, ist arbeitsrechtlich erlaubt – hat nur einen anrüchigen Beigeschmack.

Was ziemlich ungünstig werden kann:

• Krawatte abschneiden ohne Erlaubnis.
• Polonaise durchs Büro – das kann als Arbeitsverweigerung verstanden werden.
• Alkohol ebenfalls nur mit Erlaubnis und nur in einer Menge, die Chefbeleidigungen, Ausfälligkeiten und Grapschereien noch verhindern kann.

Mit dem Rhythmus gehen

Die Sklaven in Mesopotamien haben es vorgemacht: Es ist gut für den Menschen, wenn er in einem bestimmten Rhythmus leben kann: Vom Untergebenen einmal zum Herren, vom Bürger zum Bürgermeister, vom Mitarbeiter zum Chef, vom Schlachten und Feiern zur Mäßigung, Fasten und Besinnung, von der streng fokussierten Projektarbeit zur Bürokrapfenschlacht. Und wieder zurück. Auch das Gehirn lebt von Spannung und Entspannung, auch die Natur vom Rückzug im Herbst und dem ungestümen Ausbrechen im Frühling.

Wenn etwas zu lange weilt, wird’s langweilig, auch wenn es noch so glückselig erscheinen mag. Jeder Rhythmus hat seine Eigenheiten im Positiven und Negativen, das gilt auch für die Kalender unterschiedlicher Kulturen, Weltanschauungen und Nationen, das gilt auch für die eigene Biographie.

Auch im Bürokarneval kann das Prinzip gelten: den Rhythmus genießen und das Ganze im Auge behalten. Das Wichtigste dabei: “Alaaf” und “Helau” nicht verwechseln.

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