200 Gramm Aufschnitt bitte – nehmen Sie auch Bitcoins?

Elektronische Währungen verlieren ihr Image als undurchsichtige Untergrundwährung und werden börsen- und salonfähig. Auch alltagstauglich?

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Wenn in Ihre Schreinerei oder Metzgerei bald ein Kunde reinkommt und fragt, ob er hier auch mit Bitcoin oder Ether bezahlen darf, dann reagieren Sie bitte nicht verständnislos. Es ist nicht dasselbe wie Monopoly-Geld und der Kunde will sich vielleicht gar keinen Scherz erlauben. Es klingt nach übertriebener Zukunftsmusik, dennoch: In Deutschland kann mittlerweile in diversen Shops mit der elektronischen Währung Bitcoin bezahlt werden.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin ist eine Art von Währung wie der €uro oder der Dollar – nur anders. Es gibt keine physischen Münzen, keine Banken und auch der Staat hat (noch) keinen regulierenden Einfluss darauf. Es gibt keine Zentralbank. Nichts an dieser Währung ist zentral.

Es werden damit Waren und Dienstleistungen bezahlt. Bezahlen können die Personen, die sich selbst im Netzwerk Bitcoin befinden, also selbst welche besitzen und diese untereinander austauschen können. Das funktioniert nur über den digitalen Weg. Die Währung ist digital, die Übertragungswege sind digital und der Geldbeutel ist ebenfalls digital. Für den Austausch ist lediglich eine Adresse notwendig, die des Senders und die des Empfängers. Beide Parteien einigen sich über die Ware oder die Dienstleistung, über deren Gegenwert in Bitcoin und zwischen beiden findet dann der Austausch statt. Das ist vom Prinzip her nichts anderes, als das Geld als Währung eingeführt wurde. Auf einmal war alles mit allem vergleichbar, denn es existierte für alles ein Gegenwert in der Geldwährung. Auch bei Bitcoin zählt wie damals bei der Geldeinführung allein das beiderseitige Einverständnis der Parteien.

Jeder hat eine Gelddruckmaschine

Der Traum, zu Hause Geld drucken zu können, ist mit Bitcoin wahr geworden. Grund dafür ist die technische Basis von Bitcoin. Ihr Erfinder Satoshi Nakamoto hat zunächst anonym ein Konzept einer neuen, elektronischen Währung entworfen. Gegenüber den Einführungsjahren 2009-2010 von Bitcoin hat sich der Wert fast vermillionenfacht. Bitcoin basiert auf Mathematik und jede Transaktion muss berechnet werden und wird im gesamten Netzwerk von Bitcoin weltweit registriert. Das erfordert sehr viel Rechenleistung. Jeder, der einen Computer oder mittlerweile auch ein Smartphone hat, kann an dieser Rechenaufgabe weltweit teilnehmen und wird dafür entlohnt – natürlich mit Bitcoin. Der eigene Rechner produziert so gesehen das eigene Zahlungsmittel.

Bitcoin können auch gedruckt werden. Jeder, der einen Drucker daheim hat, kann sich so das eigene Zahlungsmittel ausdrucken – ganz legal. Das hängt damit zusammen, dass jedes Bitcoin, oder jede kleinere Einheit davon, als eine bestimmte und einmalige Zeichenreihenfolge dargestellt werden kann. Das System der Bitcoins ist so ausgelegt, dass es weltweit nie mehr als 21 Millionen Bitcoins gegeben wird. Sind alle produziert worden, wird nur noch mit dieser Anzahl gehandelt werden. So können eindeutige Zeichenfolgen vergeben werden. Diese können ausgedruckt und im Tresor verwahrt werden. Das ist eine Möglichkeit, Bitcoins sicher zu verwahren – unabhängig von einer Elektronik. Werden diese Zahlenfolgen abgetippt und für eine Transaktion gebraucht, wandern sie wieder in die Welt der elektronischen Zahlungsmittel zurück. Das ist ein Weg, seine Bitcoins zu speichern.

Ein anderer Weg ist die digitale Brieftasche. Das kann eine Software sein, ein Account beispielsweise auf bitcoin.de oder eine App auf dem Smartphone, in der die eigenen Bitcoins gespeichert werden können.

Inflation und Deflation

Der Kurs der Bitcoins sorgt für Furore. Die Ursachen sind bei einem globalen, dezentralen Netzwerk nur schwer auszumachen. Wer etwas anderes behauptet, hat möglicherweise ein Eigeninteresse. Spekulativ ist der Handel mit Bitcoin auf jeden Fall. Dennoch ist seit seiner Einführung eine Wertsteigerung da. Die Skepsis gegenüber Banken, den finanzregulierenden Institutionen und deren Gebühren ist hoch und Bitcoin verspricht eine Alternative.

Jede Transaktion kann eindeutig einer Adresse zugeordnet werden. Anhand der Details lässt sich die gesamte Bitcoin-Struktur darstellen und bei einem Totalausfall wiederherstellen. Ein Bitcoinkonto ist nahezu so einfach wie ein Mail-Postfach zu eröffnen. Der eigenen Bitcoin-Adresse müssen keinerlei privater Daten entsprechen. Die Transferkosten sind gegenüber der Bank sehr gering, der Transfer nahezu ohne Zeitverlust. Es braucht keine Mittelmänner. Daher ist es verlockend, in der Währung Bitcoin ein Heilmittel gefunden zu haben, das gegenüber den Banken- und Währungskrisen ungefährdet ist. Nur wie bei jedem Heilmittel gibt es unbegründete Euphorie und ebenso Scharlatane. Das beeinflusst den Kurs. Dennoch hat die Technik hinter Bitcoin bisher alle Angriffe und Skeptiken gut überstanden. Das liegt an der sogenannten Blockchain-Technologie.

Was ist Blockchain?

Eine Blockchain bedeutet übersetzt eine Reihe von Datensätzen, von Blocks. Im Fall von Bitcoin stellt ein Block, also ein Datensatz, eine Sammlung an Transaktionen dar. Jede Transaktion ist eine Erweiterung dieser Reihe von Datensätzen. Der Clou dabei ist: jeder Block enthält die Prüfnummer des vorherigen Blocks. Und das kann geprüft werden. Weltweit. Von Anfang an. Das gewährleistet, dass diese durchgehende Reihe von Datensätzen, die Blockchain, nicht nachträglich manipuliert werden kann. Bzw. würde sie es, ließe sich die Manipulation sofort aufdecken. Die derzeitige Blockchain der Bitcoins – von ihrer Einführung bis jetzt – lässt sich auf einer Festplatte von 256 GB, wie sie überall im Handel üblich ist, komplett abspeichern. Das weltweit zu manipulieren dürfte unmöglich sein.

Das ist auch der Grund, warum die Technik der Blockchains auch für andere Finanzbereiche interessant ist als nur für Kryptowährungen (Krypto = verschlüsselt). Hier geht es allgemein um die Sicherheit von Transaktionen, der Möglichkeit von Kreditkartenzahlungen oder den allgemeinen Bankenverkehr.

Fazit

Werden neue Währungen eingeführt, ist eine gesunde Skepsis wie bei allen Finanzgeschäften angebracht. Werden jedoch bewährte Prinzipien eingehalten, müssen neue digitale Entwicklungen auch auf den Finanzmärkten nicht verteufelt werden, wie es womöglich bei der Einführung des Geldes der Fall war – der Mensch wurde käuflich, es sei nur eine Frage des Betrages. Daher hier ein paar Tipps:

Kryptowährung als Spekulationsobjekt: Verwenden Sie nur Geld, das Sie nicht für das Bezahlen Ihrer Rechnungen benötigen.

Bitcoin als elektronisches Zahlungsmittel: Es gibt im gesamten digitalen Bereich Sicherheitsvorkehrungen, die Sie auch hier beherzigen können: Welche Daten geben Sie von sich preis, wie gehen Sie allgemein mit ihnen um, in welchem sicherheitsrelevanten Zustand befinden sich Ihre elektronischen Geräte, mit denen Sie Transaktionen durchführen, haben Sie Internetseiten, die sichere Protokolle verwenden etc. Das ist uns ein wichtiges Anliegen, für das wir sehr gerne sehr viel Zeit investieren.

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